ÜBER UNS

Die Malschule Roos ist eine der ältesten Malschulen Deutschlands. Sie wurde 1981 von der Niederländerin Roos Schäfer-Senteur gegründet. Ansässig in Bad Neuenahr-Ahrweiler, fasst die Malschule fortwährend über hundert SchülerInnen. Seit 2003 leitet Kolja Senteur die Malschule Roos.

In den vergangenen 45 Jahren ist die Malschule Roos Teil der Stadtgeschichte geworden: "Heute kommen Kinder zu uns, deren Eltern schon als Kinder bei uns waren.", so Senteur.

Viele Ausstellungen, die Teilnahme an Stadtfesten, der Weihnachtsbasar, die populäre Ostereierausstellung, Bodypainting, als Mitwirkende an Unicef-Projekten und Themenabenden ("Schwarz-Weiß-Nacht", Mondkultur - die Museumsnacht) haben die Malschule in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil des aktiven Lebens und Wirkens im Kreise Bad Neuenahr-Ahrweiler gemacht.

"Roos war immer eine gute Inspiration und ein Engel von Mensch! Die Malschule Roos ist eine wichtige Kultur-Institution der Stadt."

STEPHAN MARIA GLÖCKNER - Künstler und Grafik-Designer

 

Mit einer Jubiläumsausstellung wurde am 16. April 2011 bereits das 30-jährige Bestehen gefeiert. Mittlerweile besteht die Malschule seit über 45 Jahren und ist nach wie vor in der Altstadt von Ahrweiler zu finden. Im "Weißen Turm", der auch mit einer "Banane" von Thomas Baumgärtel geadelt wurde, hat die Malschule nun seit über 10 Jahren ihre Heimat. Corona und Flut hat sie überstanden und bietet für Einsteiger ein Hobby, für Fortgeschrittene die Weiterentwicklung und für Profis den Austausch. In den vielen Jahren ihres Bestehens hat die Institution aber auch viele talentierte, junge KünstlerInnen in die jeweiligen Berufe verholfen.

 

"Die Malschule Roos hat mit ihrem Unterricht die essenziellen Grundsteine für meine künstlerische Karriere gelegt und mich erst auf diesen Weg gebracht. Heute kann ich die Leidenschaft Kunst ausleben... und davon leben. Dafür bin ich sehr dankbar!"

WOLFGANG STURM - Künstler, lebt und arbeitet in Köln

 

"Von der Wurstküche in den Weißen Turm" - Nachgezeichnet: Die Geschichte der Malschule Roos

Wer es etwas ausführlicher mag: Die Geschichte der Malschule Roos, inklusive aller Abbiegungen und Seitenstrassen, ist lang und abwechslungsreich. Hier soll - in Schlaglichtern - mal ein grober Überblick über die vielen Stationen der 1981 gegründeten Schule gegeben werden. Tatsächlich hatte Roos Schäfer-Senteur schon Ender der 70er Jahre begonnen, Zuhause am Küchentisch einigen Kindern aus der Familie und dann auch deren Freunden ein wenig Malkunde nahe zu bringen. Hier hat Roos hat mit ihrem Charme und Können früh begeistern können. So sollte es nicht bei ein paar interessierten Kindern bleiben. Bald war das Interesse und die Mundpropaganda so groß, dass nach einer größeren, geeigneten Räumlichkeit gesucht wurde. Ein Malatelier für regelmäßige Kurse. Mal- und Zeichenunterricht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das Konzept: Vermittlung von Maltechniken- und Methodik. Im April hieß es auch offiziell „Malunterricht für jedermann“, wie die Zeitung titelte:

Neuenahrer Chronik im April 1981. 

 

Der Vorname Roos und ihre Unterschrift wurde zum Logo der Malschule. Ihr Mann Kajo, der fälschlicherweise oft "Herr Roos" genannt wurde, druckt als Schriftsetzer die erste Visitenkarte. In einer ausgedienten Metzgerei, hinter der Hausnummer 64 (Texa-Reinigung) in der Niederhutstraße, fand die Malschule Roos - damals noch „Atelier Roos“ genannt - dann ihre erste Unterkunft. Drei alte Polaroids von September 1981 dokumentieren die damaligen Bedingungen:

Öffnungszeiten damals: Mittwochs und Freitags von 15-17 Uhr, Donnerstags von 18-20 Uhr. Das kann man ungefähr so deuten: 4 Kindergruppen und nur eine Erwachsenengruppe.

 

1981 Der 1. April (!) gilt somit als Geburtsstunde der Malschule Roos, wie wir sie heute kennen. Zeigen die ersten, wenigen Fotos aus dieser Zeit noch die improvisierten Bedingungen - die Wurstküche hatte keine Heizung aber immerhin gutes Licht, es gab keine Tische aber Sitzbänke an der Schlachtbank - ist das "Atelier Roos" immerhin schon mit mit Paletten und Gliederpuppen ausgerüstet. Pinsel und Farben liegen bereit. Das "Rüstzeug" wie Roos es beschreibt...

Roos Schäfer-Senteur war 1967 aus den Niederlanden nach Ahrweiler gezogen und hatte hier bereits einige Jahre als gelernte Goldschmiedin gearbeitet. Schon seit Kindertagen, durch ihren Großvater angeleitet, beschäftigte sie sich autodidaktisch mit Malerei und der Kunst im Allgemeinen. In der Folge war sie häufig Gasthörerin an der "Kunstacademie Rotterdam", durfte hier jedoch kein Studium beginnen. Im Elternhaus galt „Lerne was vernünftiges“. Papa Pierre hatte bereits unter den künstlerischen aber verhinderten Ambitionen seines Vaters gelitten. Dieser malte leidenschaftlich gerne in seiner Freizeit ab und zu mal ein Bild. Doch die brachten nie was ein. Opa Senteur war Konditor, wäre jedoch gerne Kunstmaler geworden. Aber dieser Traum blieb ihm verwehrt und die Enttäuschung darüber war immer in Pierres Ohren geblieben. Doch seine Tochter hatte Ambitionen. Schon als Kind war Roos begeistert von ihrem Großpapa und seiner Malerei: „(…) Wir liefen weiter. Ich fragte mich wohin. Es war kein Ende in Sicht. Der Horizont blieb immer unerreichbar. "Opa, waneer beginnen wij?" (Wann fangen wir an?). - "Wenn wir eine trockene Stelle finden!" - "Was malen wir dann?" - "Wir werden eine Wolkenstudie machen und dann versuchen das Grün zu treffen!" - "Also kein Bild?" fragte ich enttäuscht. - "Du vielleicht, ich nicht" sagte er. Ich sagte, ich würde malen was er malt. An diesem Tag zeigte er mir, wie man Wolkenhimmel malt. Mit den drei Grundfarben. Seitdem weiß ich, dass in einen blauen Sommerhimmel mit weißen Wolken nicht bloß Blau und Weiß gehören. Dass man weiße Farbe gar nicht braucht. Dass man aber Gelb und Rot braucht…“ (aus dem Buch "Die Selbstmord-Party im Hühnerstall").

Sogar zur Eröffnung der Malschule findet man in Pierres Notizbuch nur folgende nüchterne Zeilen: "Roos Atelier-Eröffnung - Telegramm geschickt… 17,50 Gulden;" und "Fernseher kaputt". Erst Jahre später konnte Pierre seinen Stolz auf Roos und ihren Erfolg mit ihrer Kunst formulieren. 

 

1982 Bald wurden die ersten Erfolge der Malschüler sichtbar und so fand im Folgejahr in der ehemaligen Synagoge Ahrweiler - in damals noch unbeheizten und unrenovierten Räumen – bereits die erste Ausstellung statt. Die bis dato völlig ungenutzte Synagoge blieb für viele Jahre ein Traditionsort für die jährlichen Gesamtausstellungen der Malschule.

Handgemaltes Plakat von 1982. Bemerkenswert ist die Angabe "Gegenüber der Grundschule". Dabei handelt es sich um den "Weißen Turm", welcher rund 30 Jahre später das Domizil der Malschule werden sollte.

 

Erste Ausstellung der Malschule Roos in der ehem. Synagoge 1982 (Foto: Hans-Jürgen Vollrath)

 

"Auch wenn ich das Medium gewechselt habe, die gestalterischen Prinzipien und die kreative Methodik sind gleich geblieben. Ich bin der Malschule Roos sehr dankbar dieses Fundament für mich gelegt zu haben."

DOMINIK KETZ - Fotograf

 

1983 Die Malschule wechselt in den achtziger Jahren noch öfter ihren Standort. Zunächst wollten die Schnupfnasen raus aus der Wurstküche. In der alten Metzgerei wurde es sehr kalt im Winter, da es hier keine Heizung gab. So zog man zu Beginn des Jahres 1983 zunächst über die Eisdiele "Di Martino" in die Niederhutstr. 66. Dort war es zwar beheizt, doch die vormalige Zweiraumwohnung war einfach zu klein.

Altersdurchmischte Gruppen im engen Atelier. Zur Pastellzeit war kaum Platz für die großen Staffeleien.

 

1984: Erstmalige Teilnahme am Rosenmontagszug in Ahrweiler. Wie echte Künstler aus dem Montmartre mit Bart und Kittel.

 

1985 erfolgt der Umzug auf die Ecke Niederhut/Ahrhutstrasse. Der neue L-förmige Raum über dem Geschäft "Tapeten Seul" ist deutlich größer und so kommt es im kleinen Ahrweiler sogar zur ersten "Ostereierausstellung". Im Januar hatte Roos bereits die Gruppe "Collage" ins Leben gerufen und am Ende des sehr produktiven Jahres stand auch noch der erste "Bilderbasar".

Bilderbasar in der Synagoge. Ein Drittel des Erlöses wurde jahrelang zur Restaurierung der Synagoge gespendet.

 

 

1987 zieht die Malschule erst- aber einmalig außerhalb des Stadtzentrums auf die Walporzheimerstrasse 67. Bis 1991 ist die Schule hier in der Parterre untergebracht, darüber wohnt die Familie privat.

 

Visitenkarte ab 1987

 

1991 Nach vier Jahren zieht die Malschule ein weiteres Mal um. Diesmal allerdings soll es für ganze 22 Jahre genügen. In der ehemaligen, renovierten Zehntscheune, Auf Der Rausch 4a, beginnt auch die bis heute andauernde Partnerschaft mit der Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler.

 

 

Visitenkarte ab 1991

 

Die Malschule in der Zehntscheune "Finanzamt des Mittelalters" (1991-2013)

 

So sah es innen aus, mit Blick auf den Kirchturm (Klick aufs Fenster)

 

Im Rahmen der großen Stadtsanierung 1990/91 hatte man die "Alte Scheune" am Blankartshof vollständig renoviert. Hier bekam die Malschule erstmals ein eigenes Gebäude, welches in der Sackgasse neben dem Mühlenteich, so gut gelegen war, dass man die künftigen Altstadtfeste, Ostereierausstellungen direkt vor Ort und Stelle bespielen konnte. Die Nähe zum Marktplatz und zum Fluss Ahr lies malerische Kuztrips in die nähere Umgebung zu.

 

2003 übernimmt Kolja Senteur die Leitung der Malschule nachdem Roos krankheitsbedingt aufhört. Nach 22 Jahren Malunterricht mit stetig neuen Ideen und Inspirationen, nach 18 Ostereierausstellungen, nach 17 Jahren Altstadtfest und ebenso vielen Bilderbasaren; nach Gründung und Niedergang der Künstlergruppe „Collage“, nach Enttäuschungen durch eigene MitarbeiterInnen, nacheifernder Epigonen, unzähligen Auftritten in der Öffentlichkeit mit Jahresausstellungen, Karneval und Weinfesten (…) war es genug. Die unzählige Workshops, Aktionen und Projekte, um die Malschule kulturell immer wieder in Erscheinung treten zu lassen, forderten ihren Tribut: Burnout! Ihr Sohn Kolja übernimmt zunächst die Vertretung und in Folge dann die Geschicke der Malschule. Roos zieht sich zunächst aus der Öffentlichkeit zurück und tritt wenig in Erscheinung. Erst nach Jahren leitet sie hin und wieder einen Workshop am Wochenende.

Visitenkarte ab 2003

2014 Zum Ende des Jahres 2013 wurde nach 22-jähriger Pachtschaft der Standort "Auf der Rausch 4a" verlassen. Doch die Stadtverwaltung bot eine Alternative: Die Malschule zog im Januar 2014 in den "Weißen Turm". So blieb sie dem Standort Ahrweiler treu. Durch den jahrelangen Verdienst der Malschule um den kulturellen Beitrag für die Kreisstadt und den guten Ruf der Einrichtung kam die Malschule, neben einigen Mitbewerbern, als Mieter im „Weißen Turm“ überhaupt in Frage. Bürgermeister Orthen war daran gelegen, mit der Malschule einen „würdigen Pächter für den Weißen Turm zu gewinnen“.

 
Der "Weiße Turm". Logo der Einladungskarte zur Eröffnung.
 

Bürgermeister Guido Orthen (2.v.r.) und Kolja Senteur (2.v.l.) trafen sich bereits im April 2013 vor dem „Weißen Turm“. Mit dabei: Büroleiter Christian Senk (l.) und Dirk Weber (r.) von der Abteilung für Gebäudemanagement.

 

Im April feierte die Malschule dann zum 33-jährigen Jubiläum auch ihre offizielle Einweihung. Auf dem Vorplatz war dank frühlingshaften Wetters eine Menge Betrieb, als Kolja Senteur mit Bürgermeister Guido Orthen als Schirmherr der Veranstaltung, zum Tag der offenen Türe luden.

Einweihung der Malschule im April 2014

 

Die Malschule heute. Klick für einen Blick hinein.

 

2014 war die Malschule auch im "Happy"-Video (Städteversion Bad Neuenahr-Ahrweiler) vertreten:

 

"Meine Zeit in der Malschule war damals nicht nur die schönste meiner Jugendzeit, darüber hinaus wurde ich bestärkt meine Talente zu erkennen, auszuarbeiten und auch öffentlich zu machen. Dafür bin ich sehr dankbar und voller guter Erinnerungen."

BIRGIT SIMONS - Grafik-Designerin